Guter Bulle, böser Bulle – ein offener Brief an die Lübecker Nachrichten

Sehr geehrter Herr Rönnau,

sehr geehrter Herr Dietrich!

Beim Lesen der Lübecker Nachrichten vom heutigen Tag mussten wir spontan an so manchen Hollywood-Film denken, in dem Polizeibefragungen oftmals nach dem Schema „guter Bulle, böser Bulle“ ablaufen – heute spielen Sie die Hauptrollen:

Wird in dem Artikel von Herrn Dietrich (dieses Mal in der Rolle des „guten Bullen“) noch halbwegs versucht sich mit den Hintergründen des Protestes auseinander zu setzen, verzichtet Herr Rönnau („böser Bulle“) leider gänzlich auf Hintergrundinformationen, sondern bedient sich lieber billigster Polemik (Zitat: „Was wollt ihr dann? Vermutlich Maoam, Freibier, den Aufstieg und ein ewiges Leben.“). Mag sein, dass diese Anlehnung an einen Werbeklassiker ein humoristischer Einfall sein soll, der Ernsthaftigkeit des Themas wird er jedoch nicht gerecht.

Bereits die Berichterstattung vor diesem Spieltag ließ erahnen, dass man sich seitens der Lübecker Nachrichten (im Gegensatz zu deutschlandweit vielen anderen Medienvertretern) nicht ernsthaft mit dem „Projekt RB Leipzig“ beschäftigen mochte; vielmehr wurde das große finanzielle Engagement des Brauseherstellers betont.

Mit ein wenig journalistischem Anspruch an die eigene Arbeit wäre es Ihnen jedoch möglich gewesen, hinter die Kulissen dieser riesigen und in Deutschland einzigartigen Werbekampagne zu schauen, deren einziges Ziel es ist, das eigene Produkt am Markt zu stärken. Sicherlich, werden Sie sagen, das möchte doch jeder Sponsor, aber Sie verkennen dabei ein paar gravierende Unterschiede:

Das Kunstprodukt RB Leipzig erwarb sich die Teilnahme in der fünfthöchsten Spielklasse bei einem kleinen Verein, der dafür reich entlohnt wurde. Man gründete einen neuen „Verein“ (wobei dieser Begriff für dieses Kunstprodukt unzutreffend erscheint), der rein zufällig die Anfangsbuchstaben des österreichischen Brauselieferanten im Namen trägt, entwarf ein Logo, das rein zufällig arg angelehnt an das Firmenlogo wurde, und erwarb sich anschließend noch die Rechte am Stadion – die vollkommene Kommerzialisierung ist somit abgeschlossen. Müßig zu erwähnen, dass die „Vereins“-farben angelehnt an die Farben des Produktes sind.

Doch, wofür steht dieses Projekt nun? Ist der Brausehersteller in Anlehnung an das Firmenlogo nun ein „guter Bulle“, dem das Wohl des Leipziger (bzw. des ostdeutschen) Fußballs am Herzen liegt, oder ist er etwa ein „böser Bulle“, der den deutschen Fußball auf eine neue Stufe der vollkommenen Kommerzialisierung stellt? Und, ist diese vollkommene Kommerzialisierung zum Zwecke des größtmöglichen Erfolges wirklich das, was die Zuschauer sehen wollen?

Diese Argumentationsansätze sind nur ein kleiner Anfang dessen, was uns Fans dieses Produkt ablehnen lässt. Eine vollständige Beleuchtung aller Argumente dürfte zum einen den Rahmen dieses Briefes sprengen und wurde zum anderen bereits mehrfach an anderer Stelle durchgeführt (mit ein wenig Interesse werden Sie im Internet schnell fündig werden) – deutschlandweit werden Sie gute und einleuchtende Argumentationslinien gegen dieses Kunstprodukt finden können!

Wenn man sich ernsthaft und hintergründig mit diesem Thema beschäftigen möchte (was die LN bisher haben vermissen lassen), so wird man nicht um die „Gretchenfrage“ herumkommen: Wo ziehe ich für mich selbst die Grenze zwischen Vermarktung und Vereins- bzw. Traditionsbewusstsein? Fragen Sie sich selbst, ob sie ein leidenschaftlicher Anhänger von „Coca-Cola Lübeck“ sein könnten, die in roter Spielkleidung in der Cola-Arena Lübeck gegen die roten Bullen aus Leipzig kicken? – Die Fanszene hat die Antwort auf diese „Gretchenfrage“ am Sonntag eindrucksvoll gegeben!

Wir würden es begrüßen, wenn Sie vor dem Verfassen solch´ negativer Artikel über die Fanszene das Gespräch suchen und somit einen journalistischen Anspruch an Ihre Arbeit legen würden – den Anspruch, einen Sachverhalt nicht nur einseitig zu beleuchten! Sollten Sie diesen Anspruch künftig für sich in Anspruch nehmen wollen, steht Ihnen der Fankreis-Vorstand gerne für Rückfragen zur Verfügung (jedoch finden Sie uns nicht in den VIP-Logen, in denen Sie Sonntag auf Stimmenfang waren).

Mit grün-weißen Grüßen

Fankreis VfB Lübeck

PS:

Sie fragen, wo wir gegen den FC Sylt waren? – Beim Auswärtsspiel in Meuselwitz!

 

Aktuell im Forum

Suche



Dringender Helferaufruf!

Fankreis Logo

Für die Vorbereitung und Durchführung des Kindertages am 19.05.12 brauchen wir noch dringend Helfer

Am Freitag, den 18.05. soll ab 13 Uhr bis in den Abend hinein alles aufgebaut und vorbereitet werden. Dazu brauchen wir tatkräftige Unterstützung. Auch wer nur kurz kann ist herzlich willkommen, es gibt reichlich zu tun!, weitere Infos bekommt Ihr » in diesem Forumseintrag, danke!