Der Fankreis fragt nach...

Fankreis LogoDie letzten Wochen und Tage hätten sich viele Anhänger des Vereins schöner vorstellen können, neben der sportlichen Talfahrt geht es auch hinter den Kulissen mächtig heiß her und mündete in dem Rücktritt des Vorstandsmitglieds Thomas Schikorra am vergangenen Wochenende. Daneben meldete sich auch Timo Neumann in den Lübecker Nachrichten kurz zu Wort.

Sowohl zum Rücktritt von Thomas Schikorra, als auch zum Interview von Timo Neumann blieben aus Sicht des Fankreises einige Fragen unbeantwortet, weshalb wir uns mit beiden auf ein Interview getroffen haben:

 

Fankreis:

„Thomas, was ist passiert? War es tatsächlich nur eine Kurzschlussreaktion auf eine Meinungsverschiedenheit mit Uwe Walter und Wolfgang Piest?“

Schikorra:

„Nein, das wäre zu kurz gegriffen. Eigentlich kann man die Gründe für meinen Rücktritt nicht besser zusammenfassen als es der Aufsichtsrat in dem am Dienstag in den Lübecker Nachrichten erschienenen Artikel in seinen Statements getan hat: Kritik am Trainer ist tabu. Ob er sich richtig verhält, ist egal. Innerhalb solcher Denkverbote bleibt mir keine Luft zum Atmen. Ich hatte allerdings vor, meine Argumente zunächst noch weiter intern vorzutragen. Letztlich ausschlaggebend war dann, dass ich am Freitag in einer Wortwahl angegriffen wurde, die mir gezeigt hat, dass es keinen Sinn mehr macht. Der Betreffende hat sich dafür zwar am Montag entschuldigt, aber da war es zu spät.“

Fankreis:

„Welche konkreten Kritikpunkte wolltest Du denn mit dem Aufsichtsrat und dem Vorstand besprochen wissen?“

Schikorra:

„Es geht zentral immer wieder um Kommunikation und die Baustellen, die der Trainer immer wieder durch unbedachte Äußerungen in der Presse aufmacht. Wir haben Kommunikation erbeten, wir haben sie eingefordert und wir haben sie angemahnt. Das klappt dann für einige Zeit ganz gut, bis sich das nächste Fettnäpfchen bietet.“

Fankreis:

„Würdest Du das anhand von Beispielen erläutern?“

Schikorra:

„Wir hatten die unerfreuliche Diskussion um den Vertrag von Siedschlag beendet und die Darstellung des Trainers so stehen lassen. Warum macht der Trainer dieses Fass mit seiner Bemerkung in den Lübecker Nachrichten vor dem Derby wieder auf? Eigentlich hätten wir da schon eingreifen müssen. Dass Timo sich dagegen wehrt, liegt doch auf der Hand.“

Fankreis:

„Timo, wusste Peter Schubert wirklich nichts von dieser Nebenabrede zum Vertrag von Siedschlag?“

Neumann:

„Ich habe Peter Schubert darüber informiert, dass der Sponsor uns finanziell nur unterstützt, wenn Tim jederzeit ablösefrei zurück nach Kiel wechseln kann. Erst war Peter strikt dagegen, aber nach einem persönlichen Gespräch mit Tim gab er mir grünes Licht. Tim hat ihm gegenüber eine Rückkehr ausgeschlossen. Nach der Rückkehr von Tim gab es vom Vorstand niemanden, der an meiner Aussage gezweifelt hat.“

Fankreis:

„Warum hast Du Dich nicht früher gegen die Behauptungen gewehrt?“

Neumann:

„Nach der ersten Behauptung bat man mich darum, die ganze Sache zu vergessen, da intern jeder wusste, wie es gelaufen ist. Ich habe dieses akzeptiert, weil wir im Verein auch zu diesem Zeitpunkt Ruhe brauchten.“

Fankreis:

„Die Aussage vor dem Derby war dann jedoch Auslöser für Dich, dies zu ändern Dich zu verteidigen. Du hast lange mit den Lübecker Nachrichten gesprochen, veröffentlich wurde aber nur ein kleiner Teil dessen – uns würde interessieren, was Du sonst noch berichtet hast!“

Neumann:

„Peter sollte mich einfach in Ruhe lassen, aber er musste öffentlich nochmal diese falsche Behauptung aufstellen. Ich habe der Zeitung meine Meinung zu verschiedenen Dingen mitgeteilt. Der Punkt war einfach erreicht, an dem ich nicht mehr schlucken wollte und konnte. Ich habe den Lübecker Nachrichten mitgeteilt, dass ich den Verein zum größten Teil wegen Peter Schubert verlassen habe. Viele Spieler mit Identifikation (bei Fans und Sponsoren) haben den Verein aufgrund der sportlichen Leitung verlassen. Im Gesamtverein gibt es genügend Offizielle und Spieler, die sich aus Angst nicht trauen, etwas Negatives über die sportliche Leitung zu sagen. Leider gibt es zu wenige im Verein, die das Rückgrat dafür haben.“

Fankreis:

„Wie war die Zusammenarbeit mit Peter Schubert? Er lässt sich mit den Worten zitieren, er habe mit Dir wenig zu tun gehabt. War das so?“

Neumann:

„Wir hatten wenig miteinander zu tun, weil Peter Schubert sich so gut wie gar nicht an repräsentativen Aufgaben außerhalb des Platzes beteiligt hat. Als hauptberuflicher Trainer des VfB Lübeck muss man dort schon mehr erwarten können, da das Personal in der Verwaltung dem nicht gewachsen ist.  Ich wurde bei öffentlichen Terminen des Öfteren versetzt und nach einer Sponsorenveranstaltung ohne Trainer und Spieler gab es gar kein Verhältnis mehr.“

Fankreis:

„Hinsichtlich der Kommunikation mit dem Vorstand sagt Peter Schubert, es müsse ausreichen, wenn er einem Vorstandsmitglied die Dinge anvertraut. Hat er sich stets einem Vorstandsmitglied anvertraut und im Vorstand wurde das nur nicht entsprechend weitergegeben?“

Schikorra:

„Jeder hat natürlich seine Vertrauten, an die er sich bevorzugt wendet. Es gibt aber ein permanentes Kommunikationsproblem mit dem Trainer und es kam häufig genug vor, dass kein Vorstandsmitglied Informationen über wichtige Themen erhielt.“

Fankreis:

„Die Kommunikation scheint das größte Problem zu sein, die sportliche Entwicklung ist trotz der letzten Spiele noch in Ordnung - gibt es weitere Beispiele für Kommunikationsprobleme?“

Schikorra:

„Zur letzten Woche und "Bielefeld" hatte ich schon gesagt, dass der Trainer nach meiner Meinung eine entsprechende Klarstellung zu seinem Zitat gegenüber Vorstand und Aufsichtsrat offensiv hätte vertreten und auf uns zugehen müssen.“

Fankreis:

„Arminia Bielefeld ist bereits zum zweiten Mal das große Streitthema, was hat sich im Frühjahr tatsächlich abgespielt? Peter Schubert sprach nur von einem einmaligen, nicht ins Detail gehenden Gespräch, für das er jedoch seine Verpflichtungen beim VfB nicht vernachlässigt habe.“

Schikorra:

„Der Trainer hat uns gesagt, er hat mit Bielefeld nicht verhandelt, also die Information, die er Euch gegeben hat, uns gegenüber ebenso gegeben. Ich gehe davon aus, dass diese Information  richtig ist. Zur letzten Woche hat der Trainer erklärt, keinen Kontakt zu Verantwortlichen von Bielefeld gehabt zu haben.“

Fankreis:

„Peter Schubert sagt jedoch, er sei falsch zitiert worden und habe nie gesagt, er sei zu allen Seiten offen.“

Schikorra:

„Nochmal: Gerade weil die Kommunikation zu dem Bielefeld Kontakt im Frühjahr so katastrophal war, musste er uns über den Anruf des Redakteurs der Neuen Osnabrücker Zeitung informieren. Der Trainer hätte auch den darauf aufsetzenden Lübecker Nachrichten Bericht nicht einfach so laufen lassen dürfen. Dass der Trainer behauptet hat, er sei falsch zitiert worden, muss man so zur Kenntnis nehmen, auch wenn Schubert sich mal fragen sollte, warum er nicht dazu übergeht, Zitate zu autorisieren, um diese ständigen Diskussionen darüber, was er gesagt oder nicht gesagt hat, zu vermeiden.“

Fankreis:

„Es fällt auf, dass in Streitfragen von Peter Schubert häufig angeführt wird, man habe ihn falsch wiedergegeben – wie seht Ihr das?“

Neumann:

„Ich erinnere nur an die Geschichte mit Dietmar Hirsch. Schubert war nicht unbeteiligt daran, dass Dietmar gehen musste. Er stellte sich aber nach seiner Entlassung völlig überrascht hin und meinte in den Lübecker Nachrichten: „Wir spielen für Didi“. Dem Verein sagte er noch am gleichen Tag, er habe dies nie gesagt. Heute sind in den Augen von Didi Neumann und Popp schuld an seiner Entlassung und Schubert geht mit Ihm Kaffee trinken. Darüber hinaus lese ich in der Nord Sport, Peter Schubert hätte sich einen Ansprechpartner im sportlichen Bereich gewünscht. Welche Rolle hat dann Jörg Franke eigentlich beim VfB?

Ein weiteres Beispiel ist die erste Bielefeld-Geschichte. Ich wusste aus erster Hand (Geschäftsstelle Bielefeld), dass Schubert mit Bielefeld verhandelt und Ihm nur Markus von Ahlen vorgezogen wurde. Unmittelbar danach habe ich Ihn direkt angesprochen und er hat es komplett verharmlost, aber schnell den Vorstand und die Spieler informiert. Nach der Gebers Verbannung kam das bei den Spielern natürlich ganz schlecht an.  Seine Aussagen in der Zeitung kennt jeder (der Verein war informiert).“

Schikorra:

„Wie bereits gesagt. Ich kann es nicht mehr hören.“

Fankreis:

„Zuletzt hat sich Peter Schubert in der Nord Sport beschwert, Ihr hättet Interna nach außen getragen – was sagt Ihr dazu?“

Neumann:

„Ich habe mich immer in den Dienst des Vereins gestellt. Für diese Aussage muss ich mich nicht rechtfertigen, da ich mein Bild über die Person habe, von der diese Aussage kommt. Es ist nur schade, dass die Nord Sport die beteiligten Personen nicht nach Ihrer Meinung dazu befragt hat. Thomas hat nicht nur viel Zeit geopfert, sondern den Verein auch finanziell nicht zu knapp unterstützt. Dass er vom Trainer auch als Sponsor in der Öffentlichkeit als Maulwurf dargestellt wird, grenzt an einer bodenlosen Frechheit.“

Thomas:

„Ganz ehrlich: Erstens ist es erstaunlich und macht mich hinsichtlich des Einflusses des Trainers nachdenklich, dass Christian Jessen diesen Vorwurf bringt und in seinem Kommentar verwendet, ohne mir hierzu Gelegenheit zur Stellungnahme zu geben und zweitens ist es ungeheuerlich, dass der Trainer sich das herausnimmt. Schon wenn man die Sponsorenliste auf unserer Homepage anschaut, wird deutlich, dass ich nicht das kleinste Sponsoring beim VfB mache. Daneben bin ich auch Darlehensgeber des Vereins. Man kann also sagen, dass ich einen Teil des Gehalts des Trainers zahle. Bei anderen Vereinen wäre für den Trainer schon auf Grund dieses Artikels Schluss gewesen. Der Vorwurf, der auch bezeichnenderweise nicht konkretisiert wird, ist auch vollkommen abwegig. Man muss auch mal hinterfragen, was nach der Vorstellung des Trainers Verbreitung von Interna eigentlich bedeutet. Tatsache ist, dass wir viele junge Spieler haben, die wenig Geld verdienen. Diese Jungs sind in den gleichen Kneipen und Discos unterwegs wie unsere Fans. Teilweise gehen die zusammen zur Berufsschule. Dass die sich über den Verein unterhalten ist doch klar. Wir haben im Übrigen auch einen wesentlichen Teil des Erfolges der letzten Jahre dem überragenden Zusammenhalt von Spielern, Fans und Umfeld zu verdanken. Ich weigere mich, anzunehmen, dass da größere Distanz hätte geübt werden müssen.“

Fankreis:

„Wolfgang Piest schlägt in die gleiche Kerbe und behauptet, Dir habe die Distanz zwischen Fan- und Vorstandsarbeit gefehlt.“

Schikorra:

„Zu mir hat er das nie gesagt, aber es scheint ja jetzt für ihn wichtig zu sein, irgendetwas zu konstruieren, was man mir vorhalten kann. Außerdem war ich nun einmal für die Fanarbeit zuständig und deshalb zwangsläufig enger an der Basis. Der Vorwurf der „fehlenden Distanz“ ist im Übrigen aber auch nur eine Worthülse, zu denen Wolfgang manchmal neigt und für die eigentlich fünf Euro fürs Phrasenschwein fällig wären. Was sich dahinter konkret für ein Vorwurf verbergen soll, weiß ich nicht.“

Fankreis:

„Weiter sagt Wolfgang Piest: „Für jeden, dem es ernsthaft um den Verein geht, sollte es selbstverständlich sein, sich mit persönlichen Attacken zurückzuhalten.“ Das sind heftige Worte, verletzt Dich das?“

Schikorra:

„Wolfgang Piest hat viel für den Verein geleistet und dafür gebührt ihm Respekt. Ich gehe auch davon aus, dass er mit dieser Bemerkung in den Lübecker Nachrichten nicht mich, sondern Peter Schuberts Angriffe auf mich in der Nord Sport gemeint hat. Sollte die Forderung nach einem Zurückhalten mit persönlichen Attacken doch mich und nicht Schubert betreffen, müsste ich möglicherweise feststellen, dass ihm die nötige Distanz zu Peter Schubert fehlt. Im Ernst: Der Vorwurf trifft mich nicht.“

Fankreis:

„Thomas, nachdem Du nun ein paar Nächte über die Entscheidung hast schlafen können, wie schätzt Du Deinen Rücktritt vom letzten Wochenende ein?“

Schikorra:

„Mir war klar, dass ich nicht nur Beifall bekomme und das mein Vorgehen ein Risiko für den Verein sein kann. Das macht mir Sorgen. Natürlich kann man mir auch vorwerfen, dass ich weiter hätte kämpfen sollen. Aber es gibt auch Grenzen, was man seiner Familie, seinem Beruf und sich selbst zumuten kann.“

Fankreis:

„Wie soll es nun weitergehen?“

Schikorra:

„Ich weiß und Ihr wisst es auch, dass ich mit meiner Meinung nicht alleine stehe. Für den Verein ist es wichtig, dass diejenigen, die Kritik zu üben haben, das nun intern gegenüber Vorstand und Aufsichtsrat tun oder "für immer schweigen". Die Gremien müssen dann entscheiden, wie sie weiter machen wollen und an diese Entscheidung werde auch ich als Vereinsmitglied mich halten. Generell ist es so, dass wir hier alle zusammen viel Gutes erreicht haben. In Vorstand und Aufsichtsrat sitzen gute Leute und mit den meisten verbindet mich inzwischen mehr als die Arbeit. Wichtig ist für mich die Klarstellung, dass ich vor allem mit Holger Leu überhaupt keinen Streit habe. Ich werde mich, sofern ich nicht zur Verteidigung meiner Reputation dazu gezwungen werde, nicht mehr öffentlich äußern.

Soweit es die in Nord-Sport zitierten gegen mich gerichteten Aussagen betrifft, behalte ich mir allerdings juristische Schritte vor und kann Auswirkungen auf mein Sponsoring nicht mehr ausschließen.“

Fankreis:

„Gab es schon Reaktionen anderer Sponsoren, anderer Vereinsmitglieder?“

Schikorra:

„Kein Kommentar.“

Fankreis:

„Wie geht es mit Dir persönlich weiter? Es ist nur schwer vorstellbar, dass Du dem Verein nun komplett fehlen wirst.“

Schikorra:

„Wir brauchen eine große Runde, in der die Sachen angesprochen werden und dann alle, die entschlossen sind, den Verein voranzubringen, eine Lösung finden. Man wird mir jetzt vorwerfen, dass ich dieses Interview „mit meinem Freund Timo“ gegeben habe und damit nach Ansicht einiger Öl ins Feuer gieße. Ich bin aber nicht bereit, mich persönlich durch die Pressearbeit des Vereins, wie sie gegenüber Nord Sport und den Lübecker Nachrichten am Dienstag erfolgt ist, beschädigen zu lassen. Daher waren einige Richtigstellungen notwendig. Ich setze jetzt darauf, dass der Aufsichtsrat das Richtige tut und nach der Rückkehr von Holger Leu konstruktiv gesprochen werden kann.

Fankreis:

„Und bei Dir Timo? Gibt es nach den Anschuldigungen von Peter Schubert in Deine Richtung noch die Bereitschaft, dem Verein helfend zur Seite zu stehen, oder müssen sich im Verein vorher einige Dinge grundlegend ändern?“

Neumann:

„So lange Peter Schubert Trainer beim VfB Lübeck ist, kann ich mir nicht mehr vorstellen mich einzubringen. Das kann man mit Sicherheit kritisieren, aber ich kann es derzeit nicht ändern, da der Stachel zu tief sitzt. Ich habe einfach nur Angst um unseren Verein, da ich die Stimmung bei den Sponsoren und Spielern mitbekomme.“

Fankreis:

„Vielen Dank für die offenen Worte und Eure Zeit, hoffentlich bleibt Ihr beide dem Verein erhalten!“

 

 

 

 

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