HL-live hat sich in den vergangenen Jahren zu einer Informationsplattform entwickelt, die von vielen Lübeckern genutzt wird. Auch die Polizei veröffentlicht regelmäßig ihre Stellungnahmen zu den Einsätzen bei Spielen des VfB Lübeck, die stets im Originalwortlauf bei HL-live eingestellt werden. Eine journalistische Aufarbeitung der Vorfälle, die Befragung weiterer Beteiligter findet nicht statt – zumindest nicht, wenn es um die Überprüfung des Wahrheitsgehaltes der Polizei-Presseberichte geht.
Auch der Fankreis VfB Lübeck bittet HL-live regelmäßig um die Veröffentlichung von Pressemitteilungen, jedoch werden diese Pressemitteilungen selten im Original eingestellt, sofern darin Kritik am Vorgehen der Polizei geäußert wird.
Die erste Reaktion des Fankreises auf die Geschehnisse rund um das kleine Derby 2009 (nachlesbar unter http://www.fankreis-vfb-hl.de/forum/thema.php?board=4&thema=10, offener Brief vom 12.03.2009) wurde journalistisch so aufgearbeitet, dass die Polizei eine Möglichkeit der Rechtfertigung noch in der eigentlichen Stellungnahme des Fankreises bekommen hat (vgl. http://www.hl-live.de/aktuell/text.php?id=51198). Auch die Pressemitteilung bezüglich der gestellten Strafanzeige gegen die Polizei (nachlesbar unter http://www.fankreis-vfb-hl.de/forum/thema.php?board=4&thema=10&page=5#49, Presseerklärung vom 13.05.2009) wurde nicht im Original wiedergegeben, sondern lediglich (schlecht) zusammengefasst und mit Aussagen der Polizei zusammengefügt (vgl. http://www.hl-live.de/aktuell/text.php?id=52700).
Grundsätzlich begrüßt der Fankreis VfB Lübeck, wenn es einen derartigen Versuch der journalistischen Aufarbeitung gibt. Erstaunlich ist jedoch, dass dies mit zweierlei Maß geschieht; einerseits wird „blind“ veröffentlich, was die Polizei behauptet, andererseits wird den Fans eine solche Möglichkeit nicht gegeben. Es wäre daher wünschenswert, wenn sich HL-live dieselbe journalistische Mühe beim Veröffentlichen der Pressemitteilungen der Polizei machen würde wie beim Veröffentlichen der Pressemitteilungen des Fankreises.
Oder ist es vielleicht gar nicht gewollt, das Vorgehen der Polizei (öffentlich) kritisch zu hinterfragen? Dieser Eindruck könnte entstehen, wenn man sich das Verhalten von HL-live vor wenigen Wochen einmal anschaut:
Aufgrund der Einstellung der Strafanzeige gegen die Polizei hat der Fankreis VfB Lübeck nochmals den Sachverhalt zusammengefasst, die Einstellungsbegründung benannt (die jeweils handelnden Polizisten waren nicht zu identifizieren, weshalb eine Strafverfolgung der offensichtlichen Fehlverhalten nicht möglich war) und die einzig logische und konsequente Forderung daraus gezogen: Eine Kennzeichnungspflicht von Polizeibeamten muss Pflicht werden!
Die entsprechende Pressemitteilung (vgl. http://www.fankreis-vfb-hl.de/beitraege/93-offener-brief-vom-12032009-und-weitere-reaktionen-aufs-kleine-derby.html) wurde u.a. auch an HL-live mit der folgenden Bitte um Veröffentlichung zugeleitet. Da es jedoch zu keiner Veröffentlichung kam, wurde höflich nachgefragt:
Mail vom Montag, 22.03.2010
Sehr geehrte Damen und Herren,
leider haben Sie weder den unten stehenden Text veröffentlicht, noch anderweitig reagiert. Sollten Sie keine Informationen des Fankreises mehr erhalten wollen, würde ich mich über eine kurze Mitteilung freuen, damit wir Sie entsprechend aus unserem Verteiler entfernen können. Sollten andere Gründe gegen eine Veröffentlichung gesprochen haben, würde ich mich über ein paar erläuternde Worte freuen.
Mit freundlichen Grüßen
Am Dienstag, 23.03.2010, erreichte uns dann die Mitteilung, dass HL-live die Staatsanwaltschaft befragen wolle und – sollte die Staatsanwaltschaft nicht im Laufe des Tages antworten – man den Text im Laufe des Tages veröffentlichen würde. Damit dieses Verfahren notfalls beschleunigt werden kann, wurde noch folgende Ergänzung an HL-live gemailt:
Mail vom Mittwoch, 24.03.2010
Sehr geehrter Herr *********,
vielen Dank für Ihre gestrige eMail.
Sollte die Staatsanwaltschaft Ihnen Auskünfte gegeben haben, die gegen eine Veröffentlichung der Stellungnahme des Fankreises sprechen sollten, wäre ich Ihnen dankbar, wenn Sie mir diese Informationen zur Verfügung stellen könnten.
Sofern es Ihren Ermittlungen dienlich sein sollte, teile ich Ihnen ergänzend noch das Aktenzeichen der Staatsanwaltschaft mit: 719 UJs 22500/09
In der Einstellungsbegründung heißt es u.a.:
"(...) Aufgrund der vorliegenden Beweismittel, insbesondere der vernommenen Zeugen, ist es nicht gelungen, die betroffenen Beamten zu ermitteln. Das von mir in Augenschein genommene Videomaterial ist für Identifizierungszwecke einzelner Beamter ungeeignet. (...)"
Mit freundlichen Grüßen
Da HL-live leider weder den Text veröffentlich, noch geantwortet hat wurde nochmals freundlich nachgefragt:
Mail vom Freitag, 26.03.2010
Sehr geehrter Herr *********,
leider wurde bisher weder die Stellungnahme veröffentlicht (wie in Ihrer Mail vom Dienstag angekündigt), noch haben Sie auf meine eMail vom Mittwoch geantwortet.
Ich finde es sehr bedauerlich, dass Ihrerseits gar keine Reaktion erfolgt.
Es könnte der Eindruck entstehen, dass die Stellungnahme des Fankreises Ihnen nicht genehm ist (während Pressemitteilungen der Polizei, in denen der VfB bzw. die Fanszene scharf kritisiert wird, auch wenn dies mitunter nur auf Vermutungen basiert - vgl. den Bericht zum Spiel gegen Chemnitz -, stets im Originalton veröffentlicht werden) und dass HL-live scheinbar kein Interesse daran hat, (berechtigte) Kritik am Vorgehen der Polizei zu veröffentlichen.
Ich bitte daher um Rückäußerung, ob dieser Eindruck berechtigt ist bzw. welche Hinderungsgründe Ihrerseits an der Veröffentlichung der Stellungnahme bestehen.
Mit freundlichen Grüßen
Auch diese Mail blieb ohne Reaktion, daher:
Mail vom Dienstag, 30.03.2010
Sehr geehrter Herr *********,
meine eMails vom 24. und 26.03.2010 blieben unbeantwortet, was mich - ehrlich gesagt - doch ein wenig erstaunt.
Ich bitte daher nochmals um Beantwortung meiner Fragen.
Mit freundlichen Grüßen
Und auch der (vorerst) letzte Versuch der Kontaktaufnahme wurde schlicht ignoriert:
Mail vom Donnerstag, 01.04.2010
Sehr geehrter Herr *********,
ich möchte nochmals an die Beantwortung meiner eMails erinnern.
Ich empfinde es als extrem unhöflich, Anfragen schlicht zu ignorieren. Gerade von Ihnen - als Pressevertreter - sollte man eigentlich mehr Kommunikationsinteresse erwarten.
Sofern Sie intern die Entscheidung getroffen haben, den Text des Fankreises nicht veröffentlichen zu wollen, so mag das akzeptiert werden, jedoch wäre ich sehr dankbar, wenn Sie mir die Gründe hierfür nennen könnten. Ich möchte zumindest ansatzweise nachvollziehen können, was Sie zu diesem Entschluss hat kommen lassen, damit der Vorwurf der Willkür bzw. der Vorwurf, dass HL-live kein Interesse an der Veröffentlichung von polizeikritischen bzw. fanfreundlichen Texten hat, entkräftet werden kann.
Mit freundlichen Grüßen und
den besten Wünschen zum Osterfest
Da offensichtlich keine Bereitschaft zur Kommunikation seitens von HL-live mehr bestanden hat, habe ich meine Bemühungen dahingehend eingestellt, Ulle hat jedoch nochmals einen letzten Versuch gewagt:
Mail vom Donnerstag, 01.04.2010
Hallo Herr *********,
ich möchte als Stellvertretender Vorsitzender und für die Öffentlichkeitsarbeit des Fankreis VfB Lübeck Zuständiger ergänzend zu den Anfragen von unserem Vorsitzenden Herrn Claßen nun an Sie wenden (...). Ich muss gestehen, dass mich Ihre Haltung sehr irritiert und frage
mich, warum Sie scheinbar versuchen, einseitige Informationspolitik pro Polizei und gegen die Fans des VfB zu betreiben. Von daher bitte
ich eindringlich um die Beantwortung der eMails von Herrn Claßen und eigentlich auch einen Versuch objektiver Berichterstattung in Form der Veröffentlichung nicht nur der ungeprüften Polizeiberichte sondern auch der Statements des Fankreises. Bei dem Aufruf zur Demoteilnahme hat das doch auch sehr gut geklappt.
Ich bedanke mich im Voraus und wünsche ein frohes Osterfest,
mit freundlichen Grüßen
Tatsächlich sollten wir nun, also 9 Tage nach dem eigentlich zugesagten Veröffentlichungstermin, endlich eine Antwort erhalten, deren Inhalt jedoch äußerst unbefriedigend war. Man teilte uns mit, dass man keine Abneigung gegen den Fankreis habe, sondern schlicht derzeit zu viele unbearbeitete Veröffentlichungswünsche vorlägen. Termin-Meldungen würde man derzeit im ersten Schritt versuchen zu veröffentlichen, der Rest würde nach Ostern veröffentlicht werden. Auf diese eMail vom 01.04.2010 antwortete Ulle wie folgt:
Mail vom Dienstag, 06.04.2010(Anmerkung: Somit nach Ostern)
Hallo Herr *********,
danke für die Antwort. Schade, dass sie Herrn Claßen, mit dem sie ja eigentlich vordringlich Schriftverkehr hatten, nicht informiert haben.
Da sich besagtes Derby ja heute jährt, böte sich die in einer Mail an Herrn Claßen in Aussicht gestellte Veröffentlichung HEUTE an.
Mit vielem Dank im Voraus und bis bald.
Mit freundlichen Grüßen
Weder hat HL-live anlässlich des kleinen Derbys den Text vorab eingestellt (zumal in der Pressemitteilung ein entsprechender Bezug, eine geäußerte Hoffnung zu diesem Derby geäußert wurde: „Wir hoffen daher, dass gerade im Hinblick auf das anstehende kleine Landesderby die notwendigen Lehren seitens der Polizei gezogen wurden und dass wir ein friedliches Derby erleben können.“), noch wurde der Text im Nachwege veröffentlicht. Auch eine Begründung, was HL-live von einer Veröffentlichung abhält, ist uns bis zum heutigen Tage nicht zugegangen.
Für den Fankreis VfB Lübeck ist dieses Verhalten von HL-live nicht nachvollziehbar und wirkt arg unseriös. Der bereits mehrfach geäußerte Verdacht, dass HL-live einseitige Berichterstattung forciere, scheint sich zu bestätigen.
Mit grün-weißen Grüßen
Marc Claßen
