Abschließender Brief des Fankreises an den SHFV

Auf den Offenen Brief des Fankreises vom 15.04.2010 hat uns letzte Woche das Antwortschreiben des Präsidenten des SHFV erreicht (Forumsbeitrag, veröffentlicht durch die Forums-Userin schlacke05 am 21.04.2010). Hierauf antwortet der Fankreis VfB Lübeck wie folgt:

Sehr geehrter Herr Meyer,

vielen Dank für Ihre Antwortschreiben auf den offenen Brief des Fankreises, auf das wir abschließend nochmals eingehen möchten (verbunden mit der Hoffnung, dass in der Nachbetrachtung dieses Finaltages die folgenden Argumente Beachtung finden):

Ihre Entscheidung, das Pokalfinale zukünftig an einem zentralen Finalspielort ausrichten zu wollen, basiert laut Ihren Aussagen auf zwei Gründen: Vermarktung und Sicherheit.

Durch die Vermarktung dieses Finalspiels schaffen Sie die Möglichkeit, der unterlegenen Finalmannschaft EUR 2.000,- zukommen lassen zu können (die unterlegenen Mannschaften im Halbfinale erhalten jeweils EUR 1.000,- und für die Teams im Frauenbereich können EUR 3.500,- ausgeschüttet werden). Ob dieser Wunsch nach Prämien nun tatsächlich verstärkt von Vereinen gefordert wurde und ob diese Vereine dies auch zu einem solch hohem Preis – dem Verlust des Heimspielrechts im Falle eines Finaleinzugs – geäußert hätten, mögen wir nicht beurteilen. Wenn man sich jedoch die finanziellen Möglichkeiten ansieht, die sich aus dem Einzug in die erste DFB-Pokalrunde ergeben, so können wir uns durchaus vorstellen, dass (fast) alle Vereine lieber das Risiko eingehen würden, keine EUR 2.000,- zu erhalten, wenn sich dadurch die Wahrscheinlichkeit des Einzugs in die erste DFB-Pokalrunde merklich erhöht (durch ein Finale im eigenen Stadion). Vielleicht wäre es ein Ansatzpunkt, diese Frage in der Nachbetrachtung des Finals allen Vereinen zu stellen und die Auswertung dessen zu veröffentlichen?

Der zweite von Ihnen benannte Grund ist das Thema Sicherheit. Ob diese Sicherheit in anderen Stadien gefährdet sein mag, ist fraglich. Sicherheitsrelevante Fragen dürften nur aufkommen, wenn die KSV Holstein oder der VfB Lübeck (mit Abstrichen ggf. noch der VfR Neumünster) im Finale stehen. Bei einem Finale von Eider Büdelsdorf gegen den SV Eichede können wir uns nicht vorstellen, dass es ernsthafte Probleme mit der Sicherheit geben könnte. Die Vereine, bei denen es zu sicherheitsrelevanten Fragen kommen könnte, spielen in Stadien, in denen für die Sicherheit ausreichend gesorgt ist (beim VfR Neumünster wird dies im Rahmen der Lizenzierung nun sogar noch verbessert), das Heimspielrecht hätte man auch nach den alten Richtlinien dem größeren Verein übertragen können, wenn der „kleinere“ Verein Sorgen um die Sicherheit geäußert hätte und eine Durchführung in deren Augen nicht möglich gewesen wäre. Eine Änderung der Pokaldurchführungsrichtlinien erscheint daher aus Gründen der Sicherheit nicht erforderlich gewesen zu sein.

Da Sie selbst anführen, dass im Falle eines Endspiels des VfB Lübeck gegen eine andere Mannschaft als die KSV Holstein die Lübecker Lohmühle als Austragungsort genutzt werden soll, stellt sich für uns die Frage: Weshalb ist diese Regelung nicht auch bei einem Finale der KSV Holstein gegen den VfB Lübeck möglich, zumal der VfB Lübeck (in dieser Saison) noch die klassenniedrigere Mannschaft ist? Die zentrale Vermarktung wäre hier ebenso möglich, wie auch die Gewährleistung der Sicherheit! Weshalb wird bei dieser Finalkonstellation nicht der klassenniedrigere Verein zum Austragungsort (bzw. bei gleicher Spielklasse gemäß Losverfahren)?

Neben dem Verlust des Heimspielrechts hat der VfB Lübeck auch noch einen anderen Verlust zu beklagen, nämlich den der zusätzlichen Einnahmen durch die Ausrichtung des Pokalspiels. Zwar bekommen beide Vereine gem. § 11 der Spielordnung weiterhin die hälftigen (bereinigten) Reineinnahmen, jedoch nicht die 20 % Platzkosten, die von den Reineinnahmen abgezogen werden. Diese Kosten fließen nun an die Betreiber des Holstein-Stadions und hätten in dieser Saison eigentlich an den Betreiber der Lohmühle, also den VfB Lübeck, fließen sollen. Es entsteht dem VfB Lübeck somit auch in dieser Hinsicht ein finanzieller Schaden. Sofern Sie in § 12 der Spielverordnung darauf verweisen, dass mit dem stadionstellenden Verein auf Grundlage einer Individualvereinbarung abgerechnet werden soll, so wäre diese Vereinbarung sicherlich auch für die Öffentlichkeit interessant.  Welchen finanziellen Vorteil verschafft man dem Stadionbetreiber der KSV Holstein durch diese Finalvergabe?

Die Änderung der Pokalbestimmungen während des laufenden Wettbewerbs sehen Sie „nicht als problematisch“ an. Sie werden sich sicherlich vorstellen können, dass diese Aussage in Lübeck nicht nachvollzogen werden kann. Natürlich ist es in Lübeck sowohl zu einem sportlichen, als auch zu einem organisatorischen Nachteil gekommen, könnte man doch zu Saisonbeginn damit rechnen, im Falle eines Pokalspiels gegen die klassenhöhere KSV Holstein stets den Vorteil eines Heimspiels zu haben. Eine solche Veränderung im laufenden Wettbewerb zu beschließen und nicht erst – wie es eigentlich üblich sein sollte – zur neuen Saison eintreten zu lassen, ist wohl ein deutschlandweit einmaliger Prozess. Weshalb mussten Sie derart kurzfristig in den laufenden Wettbewerb eingreifen? Haben Sponsoren hierbei Druck ausgeübt? Es hat den Anschein, dass dort arg „mit der heißen Nadel gestrickt wurde“ und dass viele Eventualitäten nicht bedacht worden sind.

Ein Punkt, der nicht ausreichend bedacht worden ist, ist sicherlich die Vergabe der Zuschauerblöcke. Hätte der VfB Lübeck nicht massiv gefordert, dass den Fans des VfB Lübeck zumindest auch ein überdachter Stehplatzbereich zur Verfügung gestellt wird, hätte der SHFV die grün-weiße Anhängerschaft schlicht in den Auswärtsblock verbannt; das Auswärtsspiel wäre perfekt gewesen. Auch wenn nun ein Teilzugeständnis in Richtung des VfB Lübeck gemacht worden ist, so wird man dennoch feststellen müssen, dass die KSV Holstein eindeutig den Heimbonus der Zuschauer auf ihrer Seite hat:

Der VfB Lübeck hat 1.000 überdachte Stehplätze (von 5.000, somit 20%) und rund 400 überdachte Sitzplätze (von 1.879, somit rund 21%) zugesprochen bekommen, die Karten für den unüberdachten Bereich sind aufgrund ihrer Unattraktivität (Akustik und Sicht) unerheblich. Selbst wenn man für die Damenmannschaften, die Sponsoren und Funktionäre noch Karten abziehen mag, werden die Anhänger der KSV Holstein die Möglichkeit auf weit mehr als 50% dieser Karten haben – nennen Sie das eine neutrale Kartenvergabe?

Wie sie schon richtig in den einleitenden Worten Ihrer Antwort schreiben, der VfB Lübeck hat offensichtlich kein „Heimspiel“ mehr, aber muss es zu einem derart offensichtlichen „Auswärtsspiel“ werden?

Sie sehen, aus Ihrer übereilten Entscheidung sind Fragen über Fragen aufgeworfen worden, Probleme geschaffen worden und all dies müsste nun in kürzester Zeit geklärt werden – eine zufriedenstellende Lösung war in der Kürze der Zeit nicht mehr zu erreichen, ein weiterer Grund, weshalb diese Veränderung während des laufenden Wettbewerbs ein großer Fehler war.

Ihre Entschuldigung für Ihre irrtümliche Aussage haben wir zur Kenntnis genommen, möchten aber empfehlen, diese Entschuldigung direkt an Timo Neumann zu adressieren, den Sie durch diese irrtümliche Aussage in der Presse in ein schlechtes Licht gerückt haben.

Mit grün-weißen Grüßen und der Hoffnung, dass diese Entscheidung der zentralen Austragung zur nächsten Saison revidiert wird

 

Fankreis VfB Lübeck

 

 

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