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Polizei Lübeck in Zeiten der „alternativen Fakten“

Beitragvon Fankreis » 9. Februar 2017 15:22

(vorrübergehende Schließung der Alten Holze)

Am 30.01.2017 teilte der VfB Lübeck mit, dass die Holztribüne „vorrübergehend“ geschlossen wird. Grundlage dieser Schließung sei die von der Polizei gegenüber dem Verein und gegenüber den anderen Sicherheitsbehörden vorgetragene aktualisierte Gefahrenprognose. Doch woraus begründet sich diese laut Polizei aktualisierte Gefahrenprognose?

Der VfB Lübeck teilt hierzu u.a. die vorgetragene angebliche Gefahr mit, „dass dort Pyrotechnik gezündet werden könnte, (…) wenn der Verein nicht sicherstellen kann, dass Personen bzw. Gruppierungen, von denen eine solche Gefahr ausgehen soll, keinen Zutritt zur Holztribüne erhalten. Die Gefahrenprognose stützt sich wesentlich auch darauf, dass wir durch eine geänderte Zugangsregelung für die Holztribüne von Absprachen mit den Sicherheitsbehörden abgewichen seien“. Laut Lübecker Nachrichten seien zudem noch das Ignorieren des „absoluten Rauchverbots“ und die „Sicherheitswege“ weitere Gründe dieser aktualisierten Gefahrenprognose. Der Verein teilt „diese Gefahrenprognose nicht“, mehr noch: „Der VfB hat die Sicherheitsmaßnahmen zur Alten Holztribüne nicht vermindert.“

Nehmen wir diese drei Punkte, die die Polizei zu einer „Aktualisierung“ der Sicherheitsprognose bewegt haben sollen, mal unter die Lupe und fangen mit den „Sicherheitswegen“ und dem angeblichen „Rauchverbot“ an: Wenn die Polizei von einer „Aktualisierung“ spricht, sollte man annehmen, dass sich gegenwärtig im Vergleich zur jüngeren Vergangenheit etwas geändert haben sollte – beides erfolgte jedoch nicht: Weder wurden die „Sicherheitswege“ verändert / verschlechtert, noch hat es eine Änderung im Rauchverhalten auf der Holze gegeben. Diese beiden Punkte haben sich folglich „aktuell“ nicht geändert, weshalb eine „Aktualisierung der Sicherheitslage“ auf Grundlage dieser zwei Punkte äußerst konstruiert erscheint.

Bliebe nur noch eine „geänderte Zugangsregelung“: Nach dem einzig bekannten „Pyrovergehen“ auf der Holze im Frühjahr 2014 hat der Verein für eine kurze Zeit lediglich Dauerkarteninhabern den Zutritt zur Holze gewährt – dieser Zeitraum endete jedoch bereits im Sommer 2014 wieder, seit dieser Zeit gibt es regelmäßigen Tageskartenverkauf an der Holze (auch werden die Tagesticketpreise auf der Homepage des Vereins entsprechend ausgewiesen). Nun zu behaupten, der Verein habe „aktuell“ die Zugangsregelung geändert, ist derart an den Haaren herbeigezogen, dass man es nur mit „alternativen Fakten“ erklären kann, die der Polizei vorliegen müssten; mit „echten Fakten“ hat all das jedenfalls nichts zu tun!

Doch was bezweckt die Polizei mit diesem Vorgehen auf Grundlage von „alternativen Fakten“? Ginge es der Polizei – wie behauptet – um die Sicherheit im Stadion, hätte sie schon im Sommer 2014 (Rückkehr zur ursprünglichen Zugangsregelung) bzw. viele Jahre zuvor (Sicherheitswege, Rauchverbot) eingreifen müssen. Die nun angeblich für die Schließung ursächliche aktualisierte Gefahrenprognose wurde jedoch erst im Zusammenhang mit dem Bauantrag für die Pappelkurve an die entsprechenden Sicherheitsbehörden zugespielt; eine aktuelle Gefährdung der Zuschauer erschließt sich daraus keinesfalls – und dennoch suggeriert die Polizei genau das gegenüber den anderen Sicherheitsbehörden, die sich ihrerseits (auf Grundlage dieser „alternativen Fakten“) zum Handeln gezwungen sahen!

Darüber hinaus ist die Vorgabe der Polizei, der Verein solle sicherstellen, dass Personen bzw. Gruppierungen, von denen eine solche Gefahr ausgehen soll, keinen Zutritt zur Holztribüne erhalten, eine nicht umsetzbare Forderung: Nur aufgrund des Aussehens (auf welcher Grundlage sonst soll der Verein diese Forderung erfüllen, die Zuschauer haben schließlich ihre Zugehörigkeit zu einer Fangruppierung nicht auf die Stirn tätowiert, oder haben gar ein Absichtsschreiben, Pyrotechnik abbrennen zu wollen, dabei) soll der Verein eine Einlasspolitik an der Holze durchführen? Der Willkür sind damit doch Tür und Tor geöffnet – animiert die Polizei den Verein mit ihrer Forderung somit tatsächlich zu einer willkürlichen Einlasspolitik? Und rechtfertigen tatsächlich durchschnittlich “15 Tagesgästen“ dieses Vorgehen?

Im Gegensatz zur Polizei, die in diesem Zusammenhang „alternative Fakten“ als aktuelle sicherheitsrelevante Veränderungen der Sicherheitslage darstellen und den VfB zu einer willkürlichen Einlasspolitik auffordert, handelt der VfB Lübeck gegenwärtig angenehm sachlich und zurückhaltend. Es bleibt zu hoffen, dass diese Sachlichkeit unterm Strich gegen dieses merkwürdige Vorgehen der Polizei, das viel Interpretationsspiel zum wahren Hintergrund dieses Handelns zulässt, siegen wird, damit wieder der normale Alltag auf dem ältesten und traditionsreichsten Teilstück der Lohmühle einkehren kann.

Mit grün-weißen Grüßen
ein Mitglied des Fankreises


Gastbeitrag eines FK-Mitgliedes.
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