„Nun sag, wie hast Du´s mit der Pyrotechnik?“

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Fankreis
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„Nun sag, wie hast Du´s mit der Pyrotechnik?“

von Fankreis » 4. Dezember 2019 10:55

Via Lübecker Nachrichten erreichte uns der Tadel des Vorstandes, die Abteilung Fankreis melde sich angesichts der Geschehnisse beim Spiel gegen den Heider SV nicht zu Wort. Um diesen Ball aufzunehmen, den der Vorstand uns da zuspielt, muss man das Geschehen in drei Akte aufteilen:

Der erste Akt beinhaltet die Geschehnisse, die sich in der Pappelkurve abspielten. Zunächst präsentierte die Kurve eine eindrucksvolle Eingangschoreografie (untermalt von einigen Pyroelementen), später zu Beginn der zweiten Halbzeit wurde es etwas nebelig im Block und Raketenlicht erhellte den Lohmühlenhimmel. Während die Eingangschoreo noch vom Großteil des Publikums bestaunt und anerkannt wurde (man musste sich nur umschauen, wie viele Handys gezückt wurden, Bilder und Videos gemacht wurden), spaltete die Aktion in der zweiten Halbzeit die Zuschauer – letzteres ist ein deutlicher Fingerzeig, dass Gesprächsbedarf besteht! Nichts wäre für den Verein schlimmer, als eine gespaltene Anhängerschaft mit Kleinkriegen untereinander statt einer gemeinsamen bedingungslosen Unterstützung unserer Farben.

Natürlich stellt sich die Frage, wie der Fankreis die obige Gretchenfrage beantwortet. Doch wie soll ein Fankreis, der den Anspruch an sich selbst hat, eine heterogene Fanszene zu vertreten, hierauf eindeutig antworten? Ist das Thema „Pyrotechnik“ so einfach zu beurteilen, wie es Fußballverbände (angeführt vom DFB) vorgeben? Der Fankreis hat vor Jahren mit vollster Überzeugung die Kampagne „Pyrotechnik legalisieren – Emotionen respektieren“ unterstützt und bedauert noch heute, dass der DFB diese guten Problemlösungsansätze derart leichtfertig vertan hat. Auch in Lübeck waren wir in dieser Frage schon in sehr guten Gesprächen mit den Sicherheitsbehörden, ehe sich der DFB zu dieser Fehlentscheidung hinreißen ließ. Grundsätzlich ist aus Sicht des Fankreises festzuhalten, dass

  • - Pyrotechnik für einen Teil der Fanszene ein elementarer Bestandteil ihres Selbstverständnisses ist,
  • - für einen anderen Teil der Fanszene der Gebrauch von Pyrotechnik nur unter gewissen Regeln (beispielsweise unter der Voraussetzung, dass nichts „die Hand verlässt“) gern gesehen wird und
  • - wieder andere Teile der Fanszene Pyrotechnik generell ablehnen.
Diese Aufzählung an Meinungen zum Thema Pyrotechnik ist selbstverständlich nicht abschließend, sie soll nur aufzeigen, wie unterschiedlich Fans sich hierzu positionieren. Als Abteilung des Vereins erkennt der Fankreis die Regularien des jeweiligen Fußballverbandes an, eine deutliche Kritik an diesen Regularien bleibt uns natürlich unbenommen. Auch deutlich zu kritisieren ist, wie Verbände Vereine für Pyrovergehen der Anhängerschaft sanktionieren (dazu jedoch mehr im dritten Akt). Ein verantwortlicher Umgang mit Pyrotechnik, wie es die o.g. Kampagne vorschlug, könnte das Ziel aller Bestrebungen in der Pyrofrage sein:

„(…) Pyrotechnik geht einher mit Verantwortung. Wir wissen um die Risiken, die der Einsatz von Pyrotechnik mit sich bringt. Bei verantwortungsbewusstem und vernünftigem Umgang sind diese Risiken allerdings auf ein Minimum reduzierbar, auch das ist unser Ziel. Für uns als Unterzeichner heißt das:
Schluss mit Böllern, Kanonenschlägen und sonstigen Knallkörpern. Die Dinger sind klein und fies, weil niemand auf den Schlag vorbereitet ist. Und Feierstimmung schaffen sie auch nicht.
Pyrotechnik gehört in die Hand, auf keinen Fall in die Luft und nach Möglichkeit nicht auf den Boden. Leuchtspurgeschosse sind ebenso tabu wie die „Entsorgung“ von Bengalischen Feuern in den Innenraum, auf's Spielfeld oder in Nachbarblöcke. (…)“
(Quelle: http://pyrotechnik-legalisieren.de/)

So lange jedoch der DFB und seine untergeordneten Verbände in der Pyrodebatte derart beratungsresistent bleiben, muss sich der Verein, zu dem auch die Abteilung Fankreis zählt, diesem Regelwerk unterwerfen. Wir appellieren daher an die Fanszene, sich den Verbandsregeln entsprechend zu verhalten – zum Wohle unseres Vereins!

Hinsichtlich des zweiten Aktes, der sich auf der Haupttribüne abspielte, ist es nicht redlich zum gegenwärtigen Zeitpunkt eine Wertung abzugeben – hierzu wird es sicherlich noch ein gesondertes Verfahren geben. Wir sehen es nicht als unsere Aufgabe an, derartige Geschichten von Einzelpersonen öffentlich zu bewerten, dafür haben wir im Verein geeignete Verfahren entwickelt, auf die wir vertrauen.

Im dritten Akt müssen wir uns damit beschäftigen, was aus dem ersten und zweiten Akt resultiert: Eine mediale Berichterstattung, die mehr auf reißerische Schlagzeilen als auf sachliche Berichterstattung setzt, ein Verband, der entsprechende Verfahren gegen den Verein eröffnet hat und eine Kommunikation via Presse statt einer vereinsinternen Kommunikation.

In der Art der Berichterstattung sei jedem zu empfehlen, beispielsweise die Berichte der Lübecker Nachrichten mit den Berichten in der Nord Sport zu vergleichen – während die Lübecker Nachrichten (wider besseren Wissens) über eine Bewährungsstrafe, die nicht rechtskräftig wurde, schreiben und Horrorszenarien in Form von Punktabzügen skizzieren, zeigt die Nord Sport auf, dass beispielswiese das Thema Punktabzug angesichts der Rechtsprechung im Fall von Waldhof Mannheim völlig unrealistisch ist. Scheinbar verkaufen sich solche Überschriften für die Lübecker Nachrichten einfach besser (ebenso wie reißerische Überschriften, die „Pyro-Attacken“ beschreiben, obwohl niemand durch Pyrotechnik „attackiert“ wurde) und die Anhängerschaft lässt sich gegeneinander aufhetzen (sehr schön in den Kommentarspalten auf facebook zu verfolgen). Wir appellieren daher an die Vertreter der Presse, weniger reißerisch und hysterisch, dafür sachlich zu berichten – zum Wohle unseres Vereins!

Der NFV hat – insoweit wenig überraschend – ein Verfahren wegen des Einsatzes von Pyrotechnik gegen den VfB eröffnet. Es ist zu erwarten, dass den VfB empfindliche Strafen treffen werden, aber sind diese Strafen ein geeignetes Mittel zur Problemlösung? Haben solche Strafen deutschlandweit jemals Erfolg erzielt, waren sie also geeignet? Nein! Weder lösen diese Strafen das Problem, noch treffen diese Strafen diejenigen, die Pyrovergehen verhindern können. Kein Verein kann Sicherheitsvorkehrungen bereitstellen, die Pyrotechnik gänzlich verhindern – das ist Woche für Woche über alle Stadien der Republik zu sehen. Diese Strafen gegen die Vereine sind insofern völlig ungeeignet und man kann nur hoffen, die Fußballverbände verlassen bald dieser Irrweg (vielleicht schafft es Carl Zeiss Jena, diesem Irrweg zu durchbrechen: https://www.faszination-fankurve.de/ind ... s_id=21138). Ebenso steht das übliche Strafmaß in den unteren Ligen oftmals in keinem Verhältnis zu dem Strafmaß in höheren Ligen bei weitaus schwereren Vergehen für Vereine mit weitaus größerer Finanzkraft. Wir appellieren daher an den NFV (und insofern natürlich auch an den DFB), die Haltung zum Thema Pyrotechnik und die übliche Praxis, Vereine für das Vergehen von Fans zu sanktionieren, zu überdenken - zum Wohle der unter ihrem Dach organisierten Vereine!

Vereinsintern müssen wir alle uns die Frage gefallen lassen, ob eine Kommunikation über die Presse statt eines Gespräches untereinander eine geeignete Kommunikation ist; gleiches gilt selbstverständlich für die Kommunikation möglicher Sanktionen für die Fanszene über die Presse. Wir appellieren daher an alle Fangruppen und den Vorstand, die Gespräche wieder in gewohnter und insoweit bewährter Form aufzunehmen, in der wir schon ganz andere Probleme haben besprechen und lösen können – zum Wohle unseres Vereins!

Der vergangene Freitag muss aufgearbeitet werden, keine Frage! Dies aber mit gebotener Sorgfalt, Sachlichkeit und natürlich auch mit angemessenen Konsequenzen. Wie diese aussehen können, sollte in bewährter Form geklärt werden.

Euer Fankreis VfB Lübeck

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